Jahreshaupt- und Delegiertenversammlung 2016

Bericht zur Jahreshaupt- und Delegiertenversammlung (JHDV) der VDSI
am 5. Mai 2016 in Bremerhaven

Turnusmäßig trafen sich die Delegierten der einzelnen Ortsvereine, die Mitglieder des Verwaltungsausschusses der VDSI, sowie einige Gäste zu der jährlich am Himmelfahrtstag stattfindenden Veranstaltung.

Im Namen der „Wieland", Vereinigung der Schiffsingenieure Bremerhaven, die im letzten Jahr den Vorsitz im Verwaltungsausschuss (VA) hatte, begrüßte Herr Schlag die Anwesenden und eröffnete die Versammlung.

Die Delegierten genehmigten nach einigen Änderungen und Berichtigungen die vorgeschlagene Tagesordnung und das Protokoll der letzten Delegiertenversammlung vom 14. Mai 2015 in Bremen.

Anschließend gab Herr Schlag einen kurzen Rechenschaftsbericht der VA Arbeit für den Berichtszeitraum Mai 2015 bis Mai 2016.

Schwerpunkte des Berichtes waren die regelmäßig durchgeführten Zusammenkünfte des VA im Hamburger Vereinsbüro. Im Berichtszeitraum wurden insgesamt sechs VA - Sitzungen abgehalten.

Auf der ersten VA – Sitzung nach der letzten Haupt- und Delegiertenversammlung 2015 in Bremen, wählte der VA am 16. Juni 2015, gemäß der Geschäftsordnung, den Sprecher der VDSI und dessen Stellvertreter.
Herr Dr. Boy, wurde für ein weiteres Jahr als Sprecher der VDSI bestätigt. Herr Dr. Bernhardt wurde, nach dem Ausscheiden von Herrn Dr. Watter, einstimmig als stellvertretener Sprecher der VDSI gewählt.

Neben der gegenseitigen Information über Aktivitäten der einzelnen Ortsvereine bestimmte die nationale und internationale Entwicklung in der Seeschifffahrt und bei den aktuellen Gesetzgebungsverfahren den Umfang der Arbeiten der VDSI.

Die Zusammenarbeit zwischen VDSI, VDKS und ver.di ist weiterhin gut.
Die gemeinsamen Positionen und Forderungen wurden in einem Papier zum
Maritimen Bündnis für Ausbildung und Beschäftigung aufgeführt.

Die Bachelorarbeit - Analyse zum Bedarf der maritimen Wirtschaft an Absolventen der Schiffsbetriebstechnik -, die durch den Rostocker Verein angeregt wurde, wurde von allen Ortsvereinen der VDSI unterstützt.

Erste Ergebnisse dieser Studie wurden auf dieser Delegiertenversammlung in Bremerhaven von Herrn Dr. Rachow vorgestellt.

Die Bachelorarbeit von Herrn Olbrich ist mit „sehr gut" bewertet worden. Sie ist interessant und wissenschaftlich fundiert. Die Auswertung der Fragebögen erfolgte nach anerkanntem Standard.

Wegen des allgemeinen Interesses, sollen die Ergebnisse der Studie in den Vereinszeitschriften und der Fachpresse veröffentlicht werden.

Bericht des Sprechers der VDSI

Herr Dr. Boy gab in seinem Bericht einen chronologischen Abriss der Aktivitäten des letzten Jahres:

Auf folgenden Veranstaltungen des VDKS war die VDSI vertreten:

13. Juni 2015 VDKS Verbandstag in Hamburg.
Themen waren die Situation von Ausbildung und Beschäftigung in der Seeschifffahrt, die Rolle als gleichberechtigter Sozialpartner anstelle der Gewerkschaft VERDI, die Tätigkeit der Stiftung „Schifffahrtsstandort Deutschland" und das gemeinsame Papier VDSI/VDKS zum Branchenforum „Seeschifffahrt" in Berlin.

Aus aktuellem Anlass wurde ein gemeinsames Papier VDKS und VDSI zur Vorbereitung des Branchenforums „Seeschifffahrt" in Berlin und damit auch der Maritimen Konferenz in Bremerhaven erarbeitet und publiziert. Auf folgende Punkte wurde hingewiesen: Befürchtungen des Abbau des maritimen Know-hows in Deutschland, insbesondere in der Sekundärindustrie. Deswegen die Forderung einer Anpassung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wie vollständiger Lohnsteuereinbehalt und Erhalt der Tonnagesteuer. Insbesondere aber Erhalt und Förderung der maritimen Ausbildungsstätten, Anpassung der Ausbildungsmodelle, Berücksichtigung des maritimen Sekundärbereichs in der Personalplanung sowie Evaluierung der Fördermaßnahmen.

Zur Vorbereitung der Maritimen Konferenz wurden erstmals sogenannte Branchenforen abgehalten. Neben den Foren Häfen und Logistik, Maritime Sicherheit, Offshore Wind und Schiffbau & Meerestechnik waren die Teilnehmer am 16. Juni in Berlin zu den Branchenforen Seeschifffahrt und Klima & Umweltschutz im Seeverkehr eingeladen.

Neunte Nationale Maritime Konferenz Bremerhaven 19. – 20. Oktober 2015

Verkündung der Ergebnisse der Branchenforen. Als Ergebnis des Branchenforums Seeschifffahrt wurde den Reedern zugesagt: 100% Lohnsteuereinbehalt, Wegfall der 183 Tage Regel, Rückerstattung der Sozialabgaben, Erhalt der Tonnagesteuer.

Es wurde aber auch angekündigt, dass der Bund in Rücksprache mit den Reedern die Schiffsbesetzungsverordnung ändern wird.

Als Ergebnis aus dem Branchenforum Klima und Umweltschutz im Seeverkehr wurde noch einmal betont, dass der Bund primär LNG, und hierbei insbesondere die Infrastruktur fördern will und weniger die Abgasnachbehandlung für den Betrieb der Schiffe in den SECAs.

Am 11. November fand der jährliche Parlamentarischer Abend des Deutschen Nautischen Vereins (DNV) in Berlin unter dem Thema „Green Shipping – Umweltbewusste Schifffahrt" statt. Hierbei ging es um Herausforderungen in SECA Gebieten und Vorstellungen von Unterstützungsmöglichkeiten. An der Podiumsdiskussion waren beteiligt: Wilms (Grüne), Saathoff (SPD), Behrens (Linke). Auch hier ging es um das Thema LNG und Landstrom mit dem Problem der noch nicht vorhandenen Infrastruktur (Henne und Ei Problem).

Am 12. Dezember 2015 Reedereiessen Hamburg. In seiner Rede verkündet Minister Dobrindt die beabsichtigte Änderung der SchBesV in Richtung zwei Deutsche/EU Offiziere als Bedingung für die deutsche Flagge

15. Dezember 2015 Gemeinsame Stellungnahme VDKS, VDSI und Verdi mit starken Bedenken bezüglich der Änderung der SchBesV und Forderung der Evaluierung der Fördermaßnahmen nach 2 Jahren

Allgemeines: das Gutachten bei PWC o.a. steht noch aus. Es sollen noch die Ergebnisse der Befragung im Rahmen der Bachelorarbeit Warnemünde abgewartet werden. VDKS ist an derselben Mitgliederbefragung interessiert. Fragebögen wurden an den VDKS gegeben. Bisher haben wir noch keine Rückmeldung erhalten.

Der DNV Arbeitskreis „Berufsbildung" hat einen Kompromissvorschlag zur SchBesV erarbeitet, der aber inzwischen vom Vorstand abgelehnt wurde. Inzwischen sind auch verschiedene Stellungnahmen gegen die Änderung der SchBesV verfasst und an den Bund und die Parteien gegangen u.a. der Länder und der Ausbildungsstätten.

An die Verbände ist inzwischen der Entwurf zur Änderung der Schiffsbesetzungsverordnung eingegangen mit Bitte um Stellungnahme bis 31.Mai 2016. Die VDSI wird sich mit dem VDKS in Verbindung setzen und wenn möglich, eine gemeinsame Stellungnahme eventuell unter Einbeziehung von Verdi erarbeiten.

Bericht zu HTW

Herr Dr. Rachow berichtete über die Aktivitäten des IMO – Ausschusses HTW

Vom 01.02. bis 05.02.2016 fand die 3. Sitzung des Unterausschusses Human Element Training and Watchkeeping (HTW 3) in London statt.

Auf der Tagesordnung standen keine Punkte, die eine Teilnahme der VDSI notwendig gemacht haben. Deshalb entschied der Verwaltungsausschuss, dass sich die VDSI an der Sitzung HTW 3 nicht beteiligt.

Auf der Tagesordnung standen Punkte wie:

  • Überarbeitung der IMO Modeltrainingskurse
  • Ausbildungsanforderungen für die Fischerei
  • Überarbeitung der Trainingsanforderungen für die Sicherheitsausbildung auf Passagierschiffen
  • Entwicklung von Leitlinien für low-flashpoint fuels als Schiffskraftstoff

Modeltrainingskurse

Nachdem auf der Sitzung HTW2 generelle Grundsätze für die Entwicklung/Überarbeitung/Prüfung der Modelkurse festgestellt wurden, konnten einzelne Modellkurse verabschiedet werden; wie z.B. (2.07 Engine-Room Simulators) Für die 10 noch zu entwickelnden oder zu überarbeitenden Kurse wurden Prüfgruppen mit mindestens 5 Mitgliedern eingerichtet.

Zusätzlich zu den „Able seafarer deck/engine" Modelkursen sollen Kurse für „ratings deck/engine" entwickelt werden. Deutschland wird den Modelkurs für „ratings deck" entwickeln.

Die Modelkurs 'Basic and Advanced training for masters, officers, ratings and other personnel on ships subject to the IGF Code' wird durch die Arbeitsgruppe vorbereitet und soll zu HTW 4 verabschiedet werden.

Sicherheitsausbildung auf Passagierschiffen

Nach intensiver Diskussion wurden einzelne der eingereichten Vorschläge angenommen. Es wurde festgelegt, dass keine Reduzierung der bisherigen Anforderungen erfolgen soll und noch vorhandene Dopplungen der Anforderungen in den Unterlagen gestrichen werden. Für die Sicherheitsausbildung auf Passagierschiffen gelten die bereits in STCW Übereinkommen festgelegten Regelungen.

Electro-Technical Officer (ETO) certification

Es wurde festgestellt, dass keine weiteren Regelungen erforderlich sind. Es wurde daran erinnert, dass die Regelungen zum ETO Befähigungszeugnis zum 01.01.2017 in krafttreten und die Befähigungszeugnisse dann ausgestellt sein müssen.

Bericht zur BG Verkehr

Herr Dr. Rachow berichtete auch über die Aktivitäten der Berufsgenossenschaft Verkehr.

Die Fusion der BG Verkehr mit der Unfallkasse Post Telekom (UKPT) zur „Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation" ist zum 01. Januar 2016 planmäßig erfolgt. Die Fusion ist auf der Grundlage des Bundesunfallkassen-Neuorganisationsgesetz (BUK-NOG) und einem Vereinigungsvertrag der beiden Ursprungsorganisationen erfolgt. Alle aus dem Vereinigungsvertrag zwischen der damaligen BG für Fahrzeughaltungen und der See BG ergebenden Sachverhalte bleiben unberührt.

Zur Verbesserung der Präventionsarbeit werden die Unfallmeldungen der Mitgliedsunternehmen aus der Seeschifffahrt detailliert ausgewertet. Bisher konnten daraus noch keine speziellen Unfallschwerpunkte der Seeschifffahrt abgeleitet werden, auch wenn die Bedingungen an Bord sicherlich gesondert betrachtet werden müssen. Wie in allen Branchen sind Unfälle durch Stolpern, Stürzen auch in der Seeschifffahrt ein Unfallschwerpunkt.

Als branchenspezifische Regel ist die „DGUV Vorschrift Seeschifffahrt" (ehemalige UVV-See) zu Zeit in der Endabstimmung. Seitens des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) läuft zu Zeit das Beteiligungsverfahren mit den Ländern. Sollte von den Ländern kein Einwand erfolgen, könnte die DGUV Vorschrift Seeschifffahrt Ende 2016 in Kraft treten.

Änderung der VDSI –Satzung

Der VA beschäftigte sich seit längerem mit der Änderung und Ergänzung der Satzung. Der Änderungsvorschlag lag nun vor und wurde von Herrn Dr. Bernhardt vorgestellt. Der Änderungstext wurde gemeinsam durchgegangen. Ergänzungen und Änderungswünsche des Hamburger Ortsvereins wurden mit eingearbeitet.

Die Mitwirkung des DNV bei gemeinsamen Zielen, wurde unter §6 Verwaltungsausschuss unter Punkt 4. festgeschrieben. Die Anzahl der Delegierten und deren Qualifikation (50% Patentinhaber) wurde unter § 5 Delegiertenversammlung, geregelt.
Außerdem wurden einige redaktionellen Änderungen vorgenommen und die Erstattung der Reisekosten der Delegierten und VA - Mitglieder unter § 8 Finanzen in die Satzung aufgenommen.

Die Satzungsänderung wurde durch Abstimmung genehmigt. Bei der Abstimmung über die Anzahl der Delegierten, gab es drei Gegenstimmen. Bei der Abstimmung zur Genehmigung des gesamten Änderungsentwurfes, gab es lediglich zwei Stimmenthaltungen.

Nach der Genehmigung der Satzungsänderung wurde dem Verwaltungsausschuss Entlastung erteilt und der VA – Vorsitz an die Schiffsbetriebstechnische Gesellschaft Flensburg e.V. (STGF) übergeben. Den weiteren Sitzungsverlauf leitete Herr Dr. Boy.

Beschlussfassung über eingebrachte Anträge

Es lag ein Antrag von Herrn Dr. Rachow vor, auf Prämierung von Herrn Olbrich für die Bachelorarbeit zum Thema:

"Bedarf der maritimen Wirtschaft an Absolventen der Schiffsbetriebstechnik"

Begründung:
Mit der o.g. Bachelorarbeit wurde erstmals durch eine umfassende Befragung der Bedarf der maritimen Wirtschaft an Schiffsbetriebstechnikern, sowie Tätigkeitsprofile der Absolventen ermittelt. Im Rahmen der Befrag wurden 471 Unternehmen der maritimen Wirtschaft angeschrieben und 1570 Mitglieder der Ortsvereine der Schiffsingenieure aufgerufen sich zu beteiligen. Mit einer Rücklaufquote der auswertbaren Antworten von 12,5 % bei den Unternehmen und 7,6 % bei den Absolventen der Schiffsbetriebstechnik konnte ein Stichprobenumfang erreicht werden, der detailliert auswertbar war. Die Auswertung und Ergebnisdarstellung zeigt, dass neben dem Bedarf der Schifffahrt an Schiffsbetriebstechnikern der Bedarf der maritimen Wirtschaft erheblich ist und rechnerisch über der Zahl der Absolventen liegt. Eine der Kernaussagen ist: Schiffsbetriebstechniker haben eine sehr gute reale Chance, in der maritimen Wirtschaft eine landseitige Anstellung zu finden.
Die Ergebnisse der Arbeit bieten der VDSI zahlreiche statistisch belegbare Argumente für die Außendarstellung und die Bedeutung der Absolventen der Schiffsbetriebstechnik für die gesamte maritime Wirtschaft.
Als Prämie wird eine Geldprämie in Höhe von 300,- € vorgeschlagen.

Als Anerkennung für diese gute Arbeit wurde von den Delegierten einstimmig eine Prämie von 300,- € ausgelobt.

Gustav Schlag